Wer, was, wann, warum Beratungen?

Wen und wie berät die Vienna Club Commission? Was sind aktuell die wichtigsten Themen? Warum sind Beratungen notwendig? Antworten gibt es hier.

Wer wird von der Vienna Club Commission beraten?

Aktuell beraten wir zu allen Anfragen, die uns aus Wien erreichen. Das sind vordergründig Clubbetreiber*innen und Veranstalter*innen, aber auch die Politik und die Medien. Anfragen außerhalb Wiens beantworten wir eher selten, außer sie betreffen Themen, die unabhängig vom jeweiligen Bundesland beantwortbar sind. Das hat mit der juristischen Situation zu tun, denn in Österreich hat jedes Bundesland sein eigenes Veranstaltungsgesetz. Allein aus Haftungsgründen können wir in diesen Fragen keine Beratungen für Betreiber*innen und Veranstalter*innen aus anderen Bundesländern anbieten. Sollte es allerdings in diesen Bundesländern equivalente Angebote geben, so leiten wir die Anfragen an diese weiter.

Was sind aktuell die wichtigsten Themen?

Der Schwerpunkt der Beratung hat sich über das letzte Jahr hinweg laufend verändert. Am Anfang der Covid-19-Krise waren es hauptsächlich Fragen zu staatlichen Hilfeleistungen sowie Streaming. Nach dem ersten Lockdown lag der Schwerpunkt auf der Covid-19-Notmaßnahmenverordnung (jetzt Schutzmaßnahmenverordnung), wie diese umgesetzt werden muss und was für Clubkultur möglich ist und was nicht.

Im Sommer kamen vermehrt Anfragen zu Open Airs und im Herbst wurde nach Bekanntgabe der Wiener Clubkulturförderung oft Hilfe beim Ausarbeiten der Anträge angefragt. 

Mit Inkrafttreten des neuen Wiener Veranstaltungsgesetzes mit Dezember 2020 kamen immer wieder Anfragen dahingehend eingegangen. 

Außerdem sind Beratungen zu Eignungsfeststellungen und Betriebsanlagen oft langwierig und herausfordernd. Sie sind wenige, können aber über das Gelingen oder Scheitern eines Clubs entscheiden.

Wie berät die Vienna Club Commission?

Beratungen sind manchmal kurz, manchmal komplex und erstrecken sich über mehrere Wochen. Dies hängt von der Thematik und der Komplexität ab. Grundsätzlich beraten wir zu fast allen Themen, die die Clubkultur betreffen. Durch Covid-19 waren Beratungen deutlich früher als geplant notwendig. Auch die Nachfrage ist stark von Covid-19 geprägt.

Aktuell finden Beratungen häufig als Videokonferenz statt, teilweise über E-Mail und Telefon. Einige wenige Beratungen finden auch vor Ort statt, besonders wenn es sich um Genehmigungsverfahren handelt. Außerhalb von Lockdowns stehen wir immer gerne persönlich zur Verfügung und besuchen euch gerne im Club bzw. vor Ort.

Zu vielen Fragen gibt es Know How im Team. So muss keine Rechtsberatung oder andere Servicestelle eingebunden werden. Das ist etwa bei Anfragen zu Open Airs der Fall, beim Wiener Veranstaltungsgesetz von 2020, den Covid-19 Schutzmaßnahmen oder der Clubkulturförderung der Wirtschaftsagentur. Wir können schnell Fragen beantworten und helfen.

Manchmal musste Know How erarbeitet werden. Zum Veranstaltungsgesetz gab es mit dem Abteilungsleiter der MA 36 Veranstaltungswesen einen intensiven Austausch, bei dem Feedback aus der Szene gesammelt beantwortet wurde. Bei der Clubkulturförderung hat der Austausch mit Fachreferent*innen der Wirtschaftsagentur die Beratung der Clubszene deutlich verbessert. 

Wie gehen wir mit Beratungen um, bei denen es zusätzliches Know How braucht?

Bei anderen Themen braucht es juristische Sicherheit. So etwa bei der Covid-19 Schutzmaßnahmenverordnung, den Covid-19 Hilfsfonds oder auch der Mietzinsreduktion. Arbeitspapiere wurden von unserem Rechtsanwalt Wolfgang Renzl geprüft. Erst dann wurden sie veröffentlicht und damit beraten. Auch ein Austausch mit dem Finanzministerium war in verschiedenen Fällen notwendig.

Im Falle von Betriebsanlagengenehmigungen und Eigenungsfestellungen bieten wir oftmals nur eine Erstberatung und anschließende Begleitung bei Behördengängen an. Hier verweisen wir immer auf den Betriebsanlagenservice der WKW sowie die Projektsprechtage der magistratischen Bezirksämter hin. Anschließend steht die VCC bei der Umsetzung wieder beratend zur Seite.

Unsere Erfahrungswerte zeigen uns aber bereits jetzt, dass die ergänzende Hilfestellung der VCC dankend angenommen wird. Im Gegensatz zu den Beratungsangeboten der WKW oder MBAs haben wir ein anderen Zugang und auch eine andere Motivation: Wir wollen mehr clubkulturelles Angebot in dieser Stadt. Durch die Finanzierung des Pilotprojektes sowie dem Versprechen der Fortführung der Vienna Club Commission hat auch die Stadt ähnliche Interessen bekundet.

Warum sind diese Beratungen notwendig?

Clubkultur hat mit einem Dilemma zu kämpfen. Auf der einen Seite braucht sie, wie Kultur allgemein, eine junge, motivierte Szene. Diese arbeitet oft ehrenamtlich, aus Lust und Liebe. Mit steigender Popularität werden Auflagen komplexer. Professionalisierungsdruck zwingt viele junge Veranstalter*innen schließlich zum Aufgeben. Hinzu kommt, dass die Freizeit im Studentendasein eine andere ist als später im Berufsleben.

Auflagen, Richtlinien, Vorschriften, Paragraphen, Formulare und Fristen können anfangs wie ein unüberwindbarer Dschungel wirken. Einnahmen fließen oft direkt in neue Investitionen, um Auflagen zu erfüllen. Und dann sollten zudem Awareness, Niederschwelligkeit, Diversität und andere soziale Themen gelebt werden. Dabei sind gerade junge Veranstalter*innen dringend nötig, um die Clubkultur lebendig zu halten. 

Deshalb ist kostenlose und kompetente Beratung so wichtig. Besonders bei Themen wie dem Veranstaltungsgesetz, Förderungen, Betriebsanlagen und Eignungsfeststellungen zeigt sich ein sehr hoher Bedarf. Und international zeigt sich, dass soziale Themen besonders gefragt sind. Welche Methoden gibt es, um mit sexueller Belästigung umzugehen, wie kann ich ein DJ Line-up erstellen, welches nicht vorwiegend aus Cis-Männern besteht, wie werden Räume für alle zu einem Ort, an dem sie sich ausleben und erfinden können? Dazu braucht es Angebote, Workshops, Beratungen, Leitfäden, wenn Covid-19 vorüber ist. 

Was ist der Mehrwert für die Stadt, für Stadtverwaltung und Politik?

Aber auch bei lange bestehenden Clubs und erfahrenen Veranstalter*innen gibt es Beratungsbedarf, gerade zu Förderungen. Viele kennen die unterschiedlichen Förderungen nicht oder wissen nicht, auf was sie beim Ausfüllen eines Antrags zu achten haben. Das liegt einerseits daran, dass es bis vor wenigen Jahren kaum Förderangebote für Clubkultur gab und andererseits an einem gewisses Misstrauen gegenüber Verwaltung und Politik, das wir abzubauen versuchen.

Genau hier liegt auch der Mehrwert unseres Beratungsangebots für die Stadtverwaltung und die Politik. Diese werden genauso von uns beraten, sollte dies notwendig sein. Ebenso besteht unsere Arbeit darin, sich mit politischen Entscheidungen auseinanderzusetzen und diese nachher so aufzubereiten, dass die Szene diese ohne weiteren Aufwand nachvollziehen kann. 

Auch das Verständnis für Gesetzestexte ist nicht vorauszusetzen. Vor dem Inkrafttreten des neuen Wiener Veranstaltungsgesetzes war dieses wegen der Verklausulierung der unterschiedlichen Gesetzestexte für viele undurchschaubar. Gleichzeitig hat unsere Bedarfserhebung ergeben, dass die Mehrheit der Befragten das neue Gesetz nur wenige Wochen vor Inkrafttreten nicht kannten.

Umso spannender wird es für alle Beteiligten, wenn erste Öffnungsschritte nach dem Lockdown erfolgen. Daher versucht die VCC in Zwischenzeit möglichst viele zu erreichen und zu informieren, so dass mögliche Brösel erst gar nicht anfallen. 

Im VCC Blog berichtet die Vienna Club Commission regelmäßig über ihre Arbeit, die damit nachvollziehbarer werden soll. Mehr zur Aufgaben und Arbeit des Pilotprojekts, das durch mica - music austria koordiniert und durch die Stadt Wien Kultur finanziert wird, findet sich hier.

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