Bericht: Internationale Servicestellen für Clubkultur

Über sechzig Städte weltweit haben eine, und täglich werden es mehr. Die Rede ist von Servicestellen für die Club- und Veranstaltungsszene. Die Vienna Club Commission hat zehn dieser Stellen näher untersucht.

Ob unter dem bekannten Schlagwort Nachtbürgermeister oder Clubcommission - alle bieten Services. Fast alle vernetzen und vermitteln. Das tun sie nicht nur unterschiedlich, sondern auch mehr oder weniger umfangreich. Vor allem in Metropolen sind sie innerhalb der städtischen Verwaltung angesiedelt, in anderen Städten agieren sie als loser Zusammenschluss aus der Szene. Das Budget reicht entsprechend von einer Million Euro jährlich bis zu null. Diese Stellen richten sich durchwegs an dieselben Zielgruppen. Nur Anrainer*innen und Club-Mitarbeiter*innen zählen an manchen Orten nicht dazu.

Krise, Relevanz, Lösungen

Alle Stellen verbindet ihre Entstehungsgeschichte: Jede Krise birgt eine Chance. Am Anfang standen Probleme für Akteur*innen im Nachtleben. Es drohten teils massive Einschränkungen. Im ersten Schritt war das Ziel deshalb, Entscheidungsträger*innen die Relevanz von Clubkultur zu vermitteln. Danach kamen konkrete Lösungen und Services für die Clubszene.

International sind Clubs und Veranstaltungen vor allem kulturell und sozial für das Image einer Stadt relevant.

Gerade in Städten, in denen Clubs und Veranstaltungen eine hohe Relevanz haben, finanziert die öffentliche Hand Servicestellen für ihre Anliegen immer mit und kommt für den Hauptteil der Finanzierung auf. International sind Clubs und Veranstaltungen vor allem kulturell und sozial für das Image einer Stadt relevant. Dagegen werden in Dallas, Los Angeles und Zürich wirtschaftliche Aspekte als wenig wichtig gesehen. In Städten mit geringer wirtschaftlicher Relevanz werden Servicestellen zudem kaum durch die Kommune finanziert.

Kommt die Kommune ausschließlich für alle nötigen Mittel auf, verlieren die untersuchten Stellen den Charakter einer Interessenvertretung bestimmter Zielgruppen. Stattdessen vermitteln sie zwischen diesen. Fünf untersuchte Stellen verfügen über eine Mitgliederstruktur und -finanzierung. Sie stellen die Bedürfnisse der Club- und Veranstaltungsszene an vorderste Stelle. Vier von ihnen finanzieren sich sowohl über Mitgliedsbeiträge als auch über das Budget der Stadt. Sie äußern häufig den Wunsch nach einer kontinuierlicher Finanzierung.

Top-down-Modelle involvieren möglichst alle Akteur*innen der lokalen Clubszene. Die Nähe zu Politik und Verwaltung öffnet dabei Türen, um Ideen auf Augenhöhe einzubringen. Andererseits braucht dieses Modell angesichts umfangreicher Aufgaben viele Ressourcen und zudem Zeit, um Vertrauen in der Szene zu schaffen.

Bottom-up-Modelle genießen durch ihre Unabhängigkeit in der Szene Vertrauen. Wenn ihre Lösungen nicht nur einer Zielgruppe dienen, können sie über die Jahre ebenfalls Vertrauen bei Politik und Verwaltung schaffen und sich mit ihnen vernetzen. Fehlende Finanzierung und unklare Strukturen erschweren die konsequente Umsetzung von Lösungen und Ideen.

Am relevantesten wurde in Summe die Vernetzung zwischen Clubszene, Politik und Verwaltung bewertet.

Vernetzung wurde von den befragten Stellen als relevantestes Angebot der eigenen Arbeit angegeben. Gesellschaftspolitische Themen – Gewalt, sexuelle Belästigung und Rassismus wie auch Nachhaltigkeit – stehen thematisch an vorderster Stelle, gefolgt von Schallschutz-Themen, während Rechts- und Finanzierungsfragen von Stadt zu Stadt sehr unterschiedlich behandelt werden.

Wir danken den Servicestellen Stiching Nachtburgermeester Amsterdam (N8BM A’DAM), Clubcommission Berlin, 24hourdallas, Clubkombinat, Clubstiftung, Los Angeles Nightlife Alliance (LANA), Office of Nightlife, Conseil de la Nuit, Bar- und Club Kommission Zürich und NachtStadtrat Zürich für ihre Teilnahme.

Methodik

Der Bericht wurde zwischen August und Dezember 2020 erarbeitet. Es wurden zehn Organisationen weltweit untersucht, die als Service-, Vermittlungsstelle oder Interessenvertretung in der lokalen Clubkultur agieren. Ziel war es, eine große Bandbreite zu untersuchen. Es sollten Organisationen aus kleinen Städte vertreten sein genauso wie aus Metropolen, etablierte wie junge, unabhängige wie auch städtisch eingebettete Organisationen. Die Auswahl richtete sich zudem danach, wer bereit war, zeitnah Informationen bereitzustellen.

Die Erhebung fand mittels Leitfragebogen statt. Er enthielt sowohl qualitative als auch quantitative Fragen. Teils wurden die Auskunftspersonen in Zoom-Meetings befragt, teils haben sie den Leitfragebogen schriftlich ausgefüllt.

Die Texte wurden von den Stellen korrigiert und freigegeben.

Der Leitfragebogen findet sich im Anhang. Die einzelnen Protokolle der beantworteten Leitfragebögen liegen bei mica – music austria auf.

Der Bericht zu internationalen Servicestellen für Clubkultur wurde von Martina Brunner methodisch und redaktionell erarbeitet. Stefan Niederwieser übernahm die redaktionelle Leitung.

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