Clubkulturförderung - Eine Bilanz

Was hat eigentlich das Pilotprojekt zur 3-Millionen-Clubkulturförderung gemacht? Außer Newsletter, Telefonate, Beratungen und Hilfestellungen?

Wir schreiben den August 2020, die Wiener Clubs sind weiterhin größtenteils geschlossen. Ihre Fixkosten wurden nur zu einem geringen Teil gedeckt. Alternativen zum FKZ I, der bald ausläuft, sind nicht in Aussicht. Eine Insolvenzwelle rollt auf die Clublandschaft zu.

In der Stadt Wien ist man sich dieser Lage bewusst. Bei einem Treffen mit Finanzstadtratsbüro Peter Hanke wird das Pilotprojekt Vienna Club Commission darum gebeten, Lösungen aufzuzeigen, die von der Stadt Wien umgesetzt werden könnten. Vier Stunden geht das Paper “Maßnahmen zum Erhalt der Wiener Clubkultur” ans Büro. Die meisten Maßnahmen wurden vorher in Fokusgruppen, bestehend aus Betreiber*innen und Veranstalter*innen, besprochen. Das Pilotprojekt konnte schnell reagieren. 

Prompte Reaktion

Das Stadtratsbüro reagiert sehr schnell. Was im Paper noch “Preis zur Anerkennung kultureller Leistungen von Clubs und Musikspielstätten” heißt und nur wenige Zeilen umfasste, wird unter Federführung der Stadt Wien zur “Clubkulturförderung“: 3 Millionen Euro mit drei Einreichterminen für bis zu 100 Clubs und Musikspielstätten. Zu den genauen Kriterien geben wir Feedback an die Wirtschaftsagentur und das Stadtratsbüro. Damit beginnt das Gros der Arbeit für das Pilotprojekt.

Viele Clubs wurden noch nie gefördert. Laut unserer Bedarfserhebung der Betreiber*innen und Veranstalter*innen 2020 hatten erst 1,5% der Befragten eine Förderung durch die Wirtschaftsagentur erhalten. Das lag nicht unbedingt am Angebot, die meisten Befragten fühlten sich oft nicht angesprochen, wie wir in Gesprächen feststellen. Die Clubkulturförderung ist für viele ein Novum. 

Wie kommen die Clubs jetzt zu ihrem Geld?

Es müssen möglichst viele Clubs einreichen. Das ist uns klar. Nur dann kann es in Zukunft neue Unterstützungen durch die Stadt geben.

Gleich vorneweg: Von 56 genehmigten Einreichungen werden 45 durch das Pilotprojekt beraten. Alle, die von uns beraten werden, und danach auch einreichen, bekommen die Förderung. 

Einige davon hatten schon Förderungen beantragt, unter anderem MA 7 Förderungen oder Bezirksförderungen. Viele allerdings mussten erstmals auf Förderungen zurückgreifen, um den Betrieb nach dem Lockdown aufrechterhalten zu können. Für das Pilotprojekt gilt es erst einmal zu verstehen, auf was bei den Förderanträgen geachtet werden muss, die Szene zu informieren und bei den Anträgen zu beraten.

Für diese Förderung mussten Clubs größtenteils nur das tun, was sie eh schon seit jeher tun: ein kuratiertes Programm erstellen und Veranstaltungen planen. Zusätzlich konnten sie pandemierelevante Maßnahmen fördern lassen, wie z.B. Hygienemaßnahmen oder auch Möbel für Sitzkonzerte. Für die Veranstaltungen zählten Kriterien wie Diversität, Nachwuchsförderung, Nachhaltigkeit und faire Gagen für Künstler*innen. Eine Jury, in welcher die Szene durch Electro Indigo und Dalia Ahmed vertreten wurde, bewertete die Einreichungen anhand dieser Kriterien und entschied wer förderungsberechtigt ist.

Während bei der ersten Einreichfrist größtenteils Clubs mit Erfahrung im Förderbereich einreichen, werden die folgenden Terminen herausfordernder. Einige wollen nicht einreichen, weil sie fürchten anderen etwas wegzunehmen. Andere haben trotz Newsletter und multipler Social Media Ankündigungen noch nicht von der Förderung gehört. Wiederum andere fühlen sich schlichtweg überfordert.

Dank einer sehr guten Kooperation mit der Wirtschaftsagentur und ihrer umfassenden Einführung können wir bereits beim ersten Einreichtermin viele Anträge unterstützen und Erfahrungen sammeln. Dennoch sind es gefühlt wenige Clubs, die den ersten Einreichtermin wahrnehmen. Wir müssen und wollen mehr Clubs erreichen.

Wer ist förderfähig und wie erreicht man sie?

Also klemmen wir uns an die Telefone, verschicken persönliche Messages und Mails. Zuerst an jene Clubs, die laut Kriterien besonders gute Chancen auf eine Förderung haben. Danach kommen jene Clubs an die Reihe, die genügend Veranstaltungen im Programm hatten.

Es gilt sie auf die Förderung aufmerksam zu machen und unsere Hilfe bei den Anträgen anzubieten, falls benötigt. Darüber hinaus ist es eine gute Gelegenheit Clubs zu erreichen, mit denen wir bislang noch keinen Kontakt hatten. Besonders Clubs, die sich nicht nur auf elektronische Musik konzentrierten, rücken auf einmal in unseren Fokus. Jazzclubs, Balkanclubs, sogar eine Karaoke Bar, wo zusätzlich regelmäßige Liveauftritte stattfinden, kontaktieren wir. 

Dafür benötigte es zuerst einmal Recherche. Wen hatten wir noch nicht auf dem Radar, welche Orte könnten laut Kriterien der Wirtschaftsagentur noch in Fragen kommen? Orte, die sich selbst nicht unbedingt als Club betrachten, die aber dennoch Clubkultur regelmäßig einen Bühne angeboten haben und den Förderkriterien entsprechen.

Dann geht es an die Beratung. Bei einigen reicht eine Einführung, ein wenig Feedback und Korrekturen. Bei anderen sind - auch wegen Sprachbarrieren - weitergehende Beratungen über mehrere Termine erforderlich. Sehr erfreulich war die Kreativität und Diversität der Einreichungen. Egal ob groß oder klein, ob DJs oder Bands, die Orte könnten unterschiedlicher nicht sein. Die Beratungen zeigen uns nicht nur, wie kreativ diese Szene ist, sondern auch wie vielfältig. Das hat auch die Stadt Wien erkannt und mit ihrer Förderung ihren Teil dazu beigetragen, diese Vielfalt zu erhalten und zu stärken. Durch die österreichweite erste Förderung spezifisch für die Clubkultur wurden insgesamt 1,65 Millionen Euro ausbezahlt und 56 eingereichte Projekte gefördert.

Daher auch von unserer Seite ein besonderes Dankeschön an das Stadtratsbüro von Peter Hanke, an die Wirtschaftsagentur Wien, aber vor allem auch an die Szene, die sich auch trotz widrigster Umstände in den letzten Monaten nicht aufgegeben hat. Gemeinsam machen wir die Stadt bunter.

Abspann

Im VCC Blog berichtet die Vienna Club Commission regelmäßig über ihre Arbeit, die damit nachvollziehbarer werden soll. Mehr zur Aufgaben und Arbeit des Pilotprojekts, das durch mica - music austria koordiniert und durch die Stadt Wien Kultur finanziert wird, findet sich hier.

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