Leitfaden: Richtiger Umgang mit Anrainer*innen

Lautstärke von Clubs, Konzertlocations, aber auch der Gastronomie ist der häufigste Grund für Konflikte mit Anrainer*innen. Die Gründe sind vielfältig. Dieser Leitfaden bietet Lösungen, um diese Konflikte zu entschärfen.

Inhalt

01 Einleitung

Lautstärke überträgt sich leicht, sie ist oft noch in den Wohnungen von Anrainer*innen wahrnehmbar. Andererseits spielen auch oft Gäste vor der Tür ein große Rolle. Laut der “VCC Bedarfserhebung für Veranstalter*innen und Betreiber*innen” leben bei zwei Dritteln aller befragten Betreiber*innen die Anrainer*innen nur 20 Meter oder weniger entfernt. Rund drei Viertel der Befragten berichten von Problemen mit Lärmbelästigung durch Gäste oder Lärmbelästigung durch Musik.

Ein gutes Miteinander mit euren Anrainer*innen ist ein wichtiger Grundstein für eure Arbeit. Bedenkt, dass ihr auf ihr Wohlwollen angewiesen seid, nicht sie auf eures. 

Umso wichtiger ist es, Maßnahmen zu ergreifen um potenziellen Auseinandersetzungen präventiv aus dem Weg zu gehen. Hier wollen wir auf einige Methoden eingehen, um Problemen vorzubeugen. 

02 Rechtliche Grundlagen

Damit die Magistrate und die Behörden im Falle von Beschwerden überhaupt aktiv werden können, braucht es natürlich eine rechtliche Grundlage.

Im Falle des Anrainer*innen-Schutzes sind das die Gewerbeordnung 1994 (GewO 1994) und das Wiener Veranstaltungsgesetz 2020 (Wr. VG).

Im Wiener Veranstaltungsgesetz 2020 werden auch die Auflagen bezüglich Lärmemissionen definiert.

  • In § 71b Abs. 10 wird geregelt, ab wann eine „Umweltverschmutzung“ durch Lärm vorliegt.
  • In § 74 Abs. 2 wird die Genehmigung einer Betriebsanlage definiert und bestimmt. Maschinen oder Geräte dürfen nur dann verwendet werden, wenn diese von den zuständigen Behörden genehmigt werden.
  • In § 79 Abs. 1 und 2 wird bestimmt, ab wann die geltende Betriebsanlage erneut auf den neuesten technischen Stand überprüft werden muss. In Abs. 1 werden weiterhin die Fristen bestimmt, ab wann die Umsetzung der neuen Auflagen zu erfolgen hat. Abs. 2 bestimmt, dass im Falle von neu zugezogenen Anrainer*innen die Überprüfung einer Betriebsanlage erst dann stattfinden muss, wenn es zu einer gesundheitlichen Gefährdung kommt. Auflagen müssen verhältnismäßig sein.
  • In § 84p ist geregelt, dass laut Aufforderung der Behörde Messergebnisse zu den Lärmemission jederzeit vorzulegen sind. Die Auflage zum Messen der Lärmemission muss allerdings davor angekündigt worden sein.
  • In § 84q wird geregelt, welche Werte und wie diese in einer Betriebsanlage erfasst werden.

Für Veranstaltungen im Freien oder in Zelten sind die Lärmimmissionen im Wiener Veranstaltungsgesetz 2020 (Wr. VG) geregelt, welches am 1. Dezember 2020 in Kraft getreten ist. 

In Bezug auf Lärmschutz ist weiters § 23 von Bedeutung. Eine Tabelle gibt Grenzwerte in fünf unterschiedlichen Wiener Nutzungsgebieten näher an (Ruhegebiet, Ländliches Wohngebiet, Städtisches Wohngebiet, Kerngebiet, Betriebsgebiet). Dabei gilt, dass immer die Fenster des nächstgelegenen Aufenthaltsbereiches eines Gebäudes als Messstandort gelten.

Hinweis: Diese Angaben erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie dienen zur groben Orientierung. Für nähere Informationen könnt ihr euch gerne an die Vienna Club Commission wenden und wir werden mit Hilfe von Expert*innen auf eure Fragen eingehen.

Hilfreiche Links:

Link zur Gewerbeordnung 1994 (GewO 1994)

Link zum Wiener Veranstaltungsgesetz 2020 (Wr. VG)

Link zum Leitfaden Wiener Veranstaltungsgesetz 2020 der Vienna Club Commission (2020)

03 Soziale Maßnahmen

Egal ob Veranstalter*in oder Betreiber*in, es gibt einige Maßnahmen, die für jede*n anwendbar sind. Ein gutes Verhältnis zu Nachbar*innen kann viele Probleme bereits im Vorfeld verhindern, wenn ihr ein Open Air organisieren, in einer Off-Location feiern oder einen Club betreiben solltet. Der persönliche Kontakt zu Nachbar*innen erspart einiges an Ärger mit Behörden und Polizei.

Die einfachste Methode ist es, vorab mit der Nachbarschaft Kontakt aufzunehmen. Dies bietet sich sowohl für Veranstalter*innen wie auch Betreiber*innen an. Idealerweise lasst ihr eure Handynummer auf eine Visitenkarte drucken und klopft bei jeder Tür persönlich an. Die Herangehensweise ist einfach:

  • Kurze persönliche Vorstellung
  • Ein paar Sätze zu eurem Vorhaben
  • Nummern austauschen mit der Bitte, euch anzurufen, bevor die Polizei alarmiert wird
  • Im Falle eines Clubs bietet es sich auch an, die Nachbarschaft zu einem Kennenlernen und einer Präsentation des Clubs einzuladen. Ein paar Getränke und unter
  • Umständen auch zwei Stunden Programm mit musikalischen Darbietungen können helfen.
  • Seid nicht zu aufdringlich. Manche Mitmenschen wollen in ihren eigenen vier Wänden nicht gestört werden. Könnt ihr eine*n Anrainer*in nicht erreichen, könnt ihr optional einen höflich formulierten Brief mit der Bitte nach Kontaktaufnahme und mit eurer Telefonnummer hinterlassen.
  • Was auch immer passieren mag, bleibt freundlich und höflich! Vielleicht hat euer*eure Anrainer*in gerade einen schlechten Tag. Habt ihr einmal einen schlechten Eindruck vermittelt, lässt er sich schwer wieder zurechtbiegen. 

Tipp: Die meisten Menschen sind zwischen 18:00 und 19:00 Uhr zu Hause anzutreffen. Eure Vorstellungsrunde sollte also nicht um 14:00 Uhr beginnen.

Ein freundlich formulierter Aushang mitsamt Kontaktmöglichkeiten wie Handynummer und E-Mail-Adresse, gut sichtbar im Stiegenhaus der angrenzenden Gebäude angebracht, ist eine einfache Methode, die Nachbarschaft über euer Vorhaben zu informieren.

Feedbackschleifen können in unterschiedlicher Form durchgeführt werden. Der Lärm im oder außerhalb des Clubs oder eurer Veranstaltung erreicht die Anrainer*innen ganz unterschiedlich. Manche stört es weniger, manche kriegen auch gar nichts davon mit, andere wiederum fühlen sich schnell gestört.

Sollte es Wohnungen geben, die mehr Belastung durch euren Club oder eure Veranstaltung erfahren als andere, so lohnt es sich, sich mit diesen Nachbar*innen öfter auszutauschen.

Optional könnt ihr euch einen Termin mit den nächstgelegenen Nachbar*innen ausmachen, wenn die Lautstärke im Club getestet wird. Bleibt mit ihnen telefonisch in Kontakt. Beginnt leise und steigert die Lautstärke langsam, bis sie den Schall in ihrer Wohnung wahrnehmen. Wiederholt den Test mehrfach mit unterschiedlichen Tonträgern oder mit Rauschen. So kriegt ihr ein Gefühl dafür, wie die Lautstärke in der Wohnung ankommt. Eventuell ergeben sich so auch Möglichkeiten für euch, dem Ganzen präventiv entgegenzutreten.

Gesprächsrunden hingegen können ein- bis zweimal Jahr organisiert werden. Hier kann die gesamte Nachbarschaft eingeladen werden und kann über ihre Beobachtungen oder Erfahrungen der letzten Monate berichten. Der*die Betreiber*in kann sich somit ein Bild der Gesamtlage verschaffen und versuchen, auf die einzelnen Problembereiche einzugehen und Lösungen zu finden. 

Die Lösungen können manchmal ganz einfach sein. Wenn sich die Anrainer*innen über Müll vor der Location beschweren, sichert ihnen zu, dass ihr euch in Zukunft darum kümmern werdet. 

Tipp: Zum Beispiel können die Reinigungskräfte als Erstes vor dem Lokal reinigen, bevor sie drinnen beginnen. Somit werden die Frühaufsteher*innen unter euren Nachbarschaft nicht gleich von Müll begrüßt, wenn sie vor ihre Haustür treten. Zusätzlich könnt ihr eure Türsteher*innen bitten, etwaige Verunreinigungen vor eurem Lokal sofort zu beseitigen, auch wenn diese nicht von euren Gästen verursacht wurden.

Komplizierter wird es bei Lärmproblemen durch Raucher*innen oder prinzipiell mit Gästen, die sich vor der Tür aufhalten. Hier helfen oftmals nur gut geschulte Türsteher*innen, die die Gäste immer wieder zur Einhaltung der Nachtruhe ermahnen. Ergänzend sollte auch darauf geachtet werden, dass eure Gäste ihre Getränke im Lokal lassen. 

Achtet darauf, dass sich keine Gruppen vor dem Lokal aufhalten. Bittet eure Gäste unter Umständen darum, für die Dauer ihrer Zigarette eine Runde um den Block zu drehen, oder verweist sie auf einen nahe gelegenen öffentlichen Platz, eine Öffi-Station oder eine Grünfläche. 

Gut informierte Stammgäste können als gutes Vorbild wirken und euch die Arbeit zu erleichtern. Haltet euch selbst an eure eigenen Regeln, nicht zuletzt um euch laute Diskussionen vor dem Lokal zu ersparen. 

Tipp: Bedenkt, dass Lärm vor der Tür nicht nur Menschen in eurem Haus, sondern vor allem Bewohner*innen in gegenüberliegenden Gebäuden betreffen kann. Es ist daher ratsam, sie in eure Kommunikation mit einzubeziehen.

Es darf zu keinem übermäßigen Lärm durch die Besucher*innen kommen, worauf der*die Betreiber*in separat mit einem Aushang hinweisen muss (jede*r kennt die Schilder mit der Aufschrift „BITTE PSSST!“).

Dennoch können weitere Schilder hilfreich sein. Hier sind Kreativität und ein Bewusstsein für die individuellen Probleme vor dem Lokal gefragt. Solltet ihr z. B. ein Müllproblem vor eurem Lokal haben, dann solltet ihr eure Gäste darauf hinweisen, dass sie ihre Zigarettenstummel nicht auf den Boden werfen, Flaschen wieder zurück ins Lokal oder auch sonstigen Müll fachgerecht entsorgen sollen. Solltet ihr Standaschenbecher aufstellen wollen, solltet ihr beachten, dass diese lediglich auf dem Grund der Betriebsfläche aufgestellt werden dürfen.

Bei Lokalen, wo ein*e Türsteher*in anwesend ist, löst dieser*diese normalerweise solche Probleme. Allerdings können sich nicht alle Lokale Türsteher*innen leisten. Schilder kosten oft nicht viel, wenn sie selbst gemacht werden.

Tipp: Die PSSST!-Tafel kann kostenlos bei der WKO (Fachgruppe Gastronomie) bestellt werden. Einfach anrufen und bestellen: +43 1 514504206.

Hinweis: Solltet ihr die Schilder bei Nacht beleuchten wollen und diese Schilder mitsamt Beleuchtung straßenseitig angebracht werden, so müsst ihr dies bei der MA 46 anmelden.

Hilfreiche Links:

Link zur Bewilligung von Lichtreklamen

Solltet ihr Bereiche in eurem Haus bzw. Mietobjekt mit Nachbar*innen teilen, so kann es durchaus vorteilhaft sein, diese zu verschönern oder zum Beispiel auch Innenhöfe zu begrünen. Das rrr in Ottakring hat beispielsweise den Innenhof entmüllt, mit Möbeln ausgestattet und mit Bambus bepflanzt. Der Innenhof wurde so attraktiver. Vielleicht kann ein Teil der Betriebsfläche, der im Tagesgeschäft nicht genutzt wird, als Gemeinschaftsgarten zur Verfügung gestellt werden. Sprecht euch aber mit Nachbar*innen ab, denn was die einen als schön empfinden, kann andere stören.

Solche Flächen ermöglichen einen Austausch, Probleme können entspannter angesprochen und Lösungen leichter gefunden werden. Oft fehlt der Nachbarschaft das Verständnis für die Belange von Veranstalter*innen und Betreiber*innen und umgekehrt. Zusätzlich können die Hausbewohner*innen auch in regelmäßigen Abständen zu einem Umtrunk im Innenhof eingeladen werden, wo Bedenken und zukünftige Projekte besprochen werden können. Solche Maßnahmen sind recht kostengünstig und leicht umsetzbar. 

Prinzipiell sollten die öffentlich einsehbaren Betriebsflächen ordentlich und sauber gehalten werden. Stark verschmutzte oder zugemüllte Betriebsflächen verbessern das Nachbarschaftsverhältnis nicht unbedingt.

Hinweis: Erkundigt euch im Vorfeld, ob die Fläche, die ihr verschönern wollt, zu der Betriebsanlage gehört. Falls nicht, sollten die angestrebten Veränderungen zuvor mit dem*der Hausbesitzer*in sowie den Anrainer*innen abgeklärt werden.

Über Aushänge oder eure Kontaktliste könnt ihr zu Informationstagen oder zu einem „Tag der offenen Clubtür“ einladen. Eine gute Möglichkeit dazu ist der internationale Open Club Day. Wichtig ist es, dass ihr Vertrauen und Verständnis für das, was ihr bei euch im Club macht, aufbauen könnt.

Viele Anrainer*innen wissen eigentlich gar nicht, wie es in einem Club ausschaut. Sie gehören unter Umständen nicht zur Zielgruppe oder haben das Gefühl, nicht zu dieser zu gehören. Dementsprechend kennen sie auch nicht die Betreiber*innen, noch kennen sie die Menschen, die dort arbeiten. Den Club für diese Menschen zu öffnen, macht es möglich, einander kennenzulernen und das Verhältnis zu den Anrainer*innen zu verbessern.

Der Open Club Day ist eine europäische Initiative. Normalerweise geht er am ersten Samstag im Februar über die Bühne. An diesem Tag sind Clubs auch tagsüber geöffnet und unter Umständen findet ein alternatives Programm in Ergänzung zum regulären statt. An diesem einem Tag können die Nachbar*innen aus dem Grätzl, aber auch die Bezirksräte*Bezirksrätinnen und Bezirksvorsteher*innen eingeladen werden, um ein bisschen Clubluft zu schnuppern. Als alternatives Programm bietet sich z. B. ein Kinderprogramm (Kindertheater) an, aber auch, einmal Bands oder Kabarettist*innen statt nur DJ*s einzuladen.

Tipp: Wenn Musiker*innen und Künstler*innen aus dem Grätzl Teil des Programms sind – selbst wenn diese ansonsten nicht im Programm stehen –, kann das Anrainer*innen motivieren, sich euren Club anzuschauen. 

Wenn auch Mitarbeiter*innen und Betreiber*innen anwesend sind, können sie dem Publikum Fragen beantworten und mit ihm ins Gespräch kommen. Auch so kann das Verständnis für die Clubkultur verbessert werden. 

Ein Open Club Day sollte auch nach außen hin beworben werden. Es können Einladungen verschickt, in den Stiegenhäuser von angrenzenden Wohngebäuden angebracht und/oder die Veranstaltung kann in den sozialen Medien beworben werden. 

Hilfreiche Links:

Link zum Open Club Day

04 Technische bzw. infrastrukturelle Maßnahmen

Technische und infrastrukturelle Maßnahmen können gesetzt werden, um die Schallemissionen entweder zu reduzieren oder um die Lautstärke vor der Tür besser in den Griff zu bekommen. Hier gibt es interessante internationale und nationale Beispiele. Für einzelne Betreiber*innen sind diese Maßnahmen wohl zu kostspielig. Für Politik und Verwaltung ist es umso interessanter, wie andere Städte über einen geschickten Schallschutz mehr kulturelle Angebote sicherstellen.

Klassischer Schallschutz im Club ist äußerst komplex und oft außerordentlich teuer. Dabei können Bassfallen, die richtige Ausrichtung der Boxen, Raum-in-Raum-Konstruktionen, Schallisolierung im Clubraum und von angrenzenden Räumen und viel mehr sinnvoll sein.

Die Vienna Club Commission arbeitet an einem Leitfaden, der nicht nur effektive, sondern auch effiziente Lösungen vorstellt. Aufgrund der Komplexität dieses Themas ist dies ein langfristiges Projekt. Das Team hat dennoch Erfahrung mit zahlreichen Maßnahmen.

Bitte meldet euch für einen Beratungstermin bei info@viennaclubcommission.at

In den warmen Monaten schlafen viele mit offenem oder gekipptem Fenster. Dementsprechend dringt Lärm leichter in die Wohnungen und erschwert Anrainer*innen den Schlaf. Gleichzeitig sind viele Menschen länger draußen unterwegs, um die lauen Abende zu genießen. Ärger ist vorprogrammiert.

Für diese Situation wurden in Hamburg und Berlin Fenster entwickelt, die auch gekippt den Lärm von draußen drastisch reduzieren. Die Rede ist vom Hamburger HafenCity-Fenster und vom Berliner Clubfenster. Letzteres ist an das HafenCity-Fenster angelehnt. 

In Berlin werden über das Schallschutzfensterprogramm 90 Prozent der Kosten eines Einbaus getragen, wenn man besonders von Verkehrslärm betroffen ist. Für einzelne Veranstalter*innen und Betreiber*innen von Clubs ist die Maßnahme kaum umsetzbar. Ein ähnlicher Fonds ist aber durchaus für Clubs in Wien vorstellbar. Auch wissen nicht alle Bauherren*Bauherrinnen, dass es Fenster gibt, die auch gekippt Schall schlucken.

Wie funktionieren diese Fenster?

Das HafenCity-Fenster wurde von der Firma Eilenburger Fenstertechnik GmbH entworfen. Die Entwickler versprechen selbst in gekipptem Zustand eine Lärmreduzierung von 35 bis 46 dB je nach Modell. Das Berliner Clubfenster verspricht hingegen eine Reduzierung von 20 bis 30 dB. 

Beide Fenster gleichen sich in ihrer Funktionsweise. Beide Fenstermodelle sind eigentlich Kastenfenster, wo der Zwischenraum mit absorbierenden Materialien ausgestattet wurde. Beide Modelle setzen auf einen geringen maximalen Neigungsgrad, wodurch die Luftzirkulation gewährleistet wird, aber Lärmemissionen dennoch reduziert werden können. Beiden gemeinsam ist auch, dass sie vertikal versetzte Lüftungsklappen haben. 

Der Unterschied der beiden Modelle liegt in der Anzahl der verbauten Fensterteile und der daraus resultierenden Lärmreduzierung. Das HafenCity-Fenster setzt generell auf vierteilige Fenster, das Clubfenster auf zweiteilige. Wobei erwähnt werden sollte, dass es auch zweiteilige HafenCity-Fenster gibt, die sich dann auch „nur“ bei einer Lärmreduzierung von 35 bis 39 dB bewegen.

Paris hat wie jede andere Großstadt auch damit zu kämpfen, dass das Bedürfnis nach Nachtruhe mit dem Bedürfnis nach urbaner Kultur in der Nacht kollidiert. Die Stadt Paris hat gemeinsam mit den Lokalbesitzer*innen eine Art Monitor für Lärmemissionen entwickelt.

Gemeinsam mit der Initiative „Bruitparif“ wurden in „lauten“ Vierteln Messgeräte installiert, die 24/7 die Lärmentwicklung messen und aufzeichnen. Das Besondere an diesen Messgeräten ist die Möglichkeit, zwischen den Lärmquellen zu unterscheiden, d. h., die Lärmemissionen von Autos, Musik, Flugzeugen und Menschen können getrennt gemessen werden. Die Ergebnisse werden laufend auf einer Karte aktualisiert und dargestellt. In Berlin gab es ein ähnliches Vorhaben, allerdings wurden die Ergebnisse nicht wie in Paris laufend aktualisiert, sondern wurden einmalig in einer Übersichtskarte Berlins eingetragen.

Die andere Besonderheit der Pariser Methode liegt darin, dass SMS an die Betreiber*innen verschickt werden, falls sich die Lärmentwicklung zu einer Ruhestörung entwickelt. Dementsprechend können die Betreiber*innen rechtzeitig reagieren und unter anderem die Gäste vor der Tür darauf hinweisen. Laut Aussagen von Thierry Charlois, dem Conseil de la Nuit, haben sich einige Betreiber*innen zusammengeschlossen, um gemeinsam eine*n Security-Beauftragte*n zu bezahlen, die*der im Viertel ihre*seine Runden dreht und Gäste an die Nachtruhe erinnert. 

Was können wir daraus lernen?

Für die Verwaltung und Politik der Stadt Wien kann die Installation dieser Lärmmessgeräte eine sinnvolle Investition in die Zukunft bedeuten. Probleme mit der Nachtruhestörung werden frühzeitig erkannt, Anrainer*innen werden geschützt und die Polizei wird entlastet. Weniger Lärm durch Gäste bedeutet weniger Anrufe bei der Exekutive, der Gruppe für Sofortmaßnahmen oder dem Permanenzdienst der Stadt Wien. Für die Lokalbetreiber*innen wäre dies ebenfalls eine Erleichterung. Vor allem bedeutet es weniger Stress während des Betriebs.

Diese Schallschutzwände bestehen aus zwei-schalligen, aufblasbaren Elementen, die mit den typischen Dimensionen von Schallschutzbarrieren eine Wirkung erreichen, die laut Herstellern fast mit Betonwänden vergleichbar ist (um ungefähr 20 dB). Die Praxistauglichkeit wurde im Baustelleneinsatz getestet. Der Einsatz ist mobil und flexibel möglich. 

Grundsätzlich eignen sich diese Schallschutzwände auch für den Einsatz bei Open-Air-Festivals und Konzerten. Für die Anschaffung durch Veranstalter*innen oder durch Firmen für Eventtechnik braucht es aller Voraussicht nach geförderte Modelle. 

Für diese mobilen Schallschutzwände gibt es verschiedene Anbieter, etwa Buitink Technology oder Sattler.

Die Clubs und die Nachtwirtschaft sind Teil der gesellschaftlichen Veränderung. Wenn sich Städte verdichten und Viertel gentrifiziert werden, kommt es oftmals zu Problemen mit neuen Anrainer*innen. Manche Städte haben deshalb Fonds eingerichtet, mit denen Schallschutz umgesetzt werden kann. So kann sichergestellt werden, dass das kulturelle Angebot im Grätzl nicht verdrängt wird. 

In Berlin wurde ein solcher Fonds 2018 mit € 1 Million dotiert und zuletzt mit € 1 Million für weitere zwei Jahre ausgestattet. Damit Clubs auf diese Förderung zugreifen können, müssen sie regelmäßig ein Programm bieten, eine Kapazität von unter 1.500 Menschen haben und dürfen nur begrenzt andere öffentliche Förderungen bekommen. Einzelne Förderungen im Lärmschutz sind mit wenigen Ausnahmen auf € 50.000 beschränkt.

In Köln wurde ein ähnlicher Fonds mit jährlich € 300.000 eingerichtet. 

Hilfreiche Links:

Link zum Berliner Lärmschutzfonds

Link zum Kölner Lärmschutzfonds

05 Weitere Maßnahmen

Dieser Leitfaden wird laufend erweitert. Solltest du von einer Maßnahme gehört haben, die hier nicht aufgeführt ist, schreib uns bitte an info@viennaclubcommission.at.

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