Maßnahmen zum Erhalt der Wiener Clubkultur

Clubs mussten als Erste zusperren und werden als Letzte aufsperren. Die folgenden Maßnahmen sollen den Erhalt der Wiener Clubkultur zu sichern.

Dieses Paper wurde für die Magistratsabteilung für das Finanzwesen MA 5 und die Kulturabteilung der Stadt Wien MA 7 im August 2020 erarbeitet. Ziel war es, Maßnahmen zu setzen, die rasche Ergebnisse bringen. Dazu hatten beide Magistrate die Expertise der Vienna Club Commission eingeholt. Das Paper gliedert sich in Maßnahmen für:

  • Orte mit Betriebsanlagengenehmigung wie Clubs und Musikspielstätten
  • Open Airs
  • Wiener Clubkultur allgemein

Orte mit Betriebsanlagengenehmigung wie Clubs und Musikspielstätten

Eine Änderung der Sperrzeiten in einer Betriebsstätte ist derzeit nur über eine Änderung der Betriebsanlage möglich. Diese ist üblicherweise mit großem administrativen Aufwand (Begehungen sowie Verhandlungen) verbunden. Eine einfache Änderung via Meldung bei der MA 36 Veranstaltungswesen würde bedeuten, dass Clubs und Konzertlocations Umsätze erzielen können und Arbeitsplätze gesichert werden. Sie ermöglicht eine Vorverschiebung der Öffnungszeiten für Musikspielstätten. Viele Orte können derzeit laut Betriebsanlagengenehmigung erst ab 22:00 Uhr öffnen.

Eigentümerin und Verpächterin zahlreicher Musikspielstätten ist die Stadt Wien (Wiener Linien, Wiener Netze, Wiener Wohnen und viele mehr). Eine deutliche Reduktion der Mieten für den Zeitraum März bis September 2020 würde diese Orte um einen wesentlichen Faktor ihrer Fixkosten erleichtern und ihnen ein Überleben sichern. Für den Zeitraum ab September 2020 steht die Abgeltung von Mieten über den Bund via 100% Fixkostenzuschuss in Aussicht.

Eigentümerin und Verpächterin zahlreicher Musikspielstätten ist die Stadt Wien (Wiener Linien, Wiener Netze, Wiener Wohnen und viele mehr). Der Aufwand für Schallschutz, Gastronomie, Lüftungen, Notausgänge oder Notbeleuchtung ist für Musikspielstätten enorm. Diese Investitionen und Werte sind bedroht, wenn nach einer Insolvenz andere Mieter*innen und Pächter*innen auftreten. Deshalb soll die Nutzung dieser Standorte als Musikspielstätten durch die Stadt garantiert werden. So wird städtisches Kulturleben und ein lebendiges Nachtleben gesichert, die identitätsstiftend für jede Stadt sind.

Derzeit gelten Zulassungsgrenzen von 200 Stehplätzen für Indoor-Veranstaltungen. Stehplatzlösungen sind grundsätzlich wünschenswert. Eine flexible Handhabung durch die Magistratischen Bezirksämter würde es insbesondere Musikspielstätten erleichtern, die über keinen Bestuhlungsplan verfügen, in kleinem Rahmen zu veranstalten. In diesem Bereich sind allerdings weitere Recherchen zu geltenden Verordnungen und Handlungsspielraum nötig.

Die Vienna Club Commission hat Mitte Juni 2020 eine Liste von rund 40 Musikspielstätten erstellt, die sich um die kulturelle Vielfalt Wiens besonders verdient gemacht haben. Diese Orte können mit einem Preis ausgezeichnet werden (dessen Dotierung zu definieren wäre). Ein wertvoller Nebeneffekt dieses Preises wäre, dass ein Teil der Fixkosten, die von März bis September 2020 getragen werden müssen, gedeckt werden kann.

Open Airs

Der Kultursommer hat mit 800 Veranstaltungen im Open-Air-Bereich zu keinen Covid-19-Infektionen geführt. Das bietet Grund, dieses Projekt auch im Herbst und Winter fortzuführen bzw. auszuweiten. Dabei können öffentliche Flächen in städtischer Hand festgelegt werden, welche explizit für clubkulturelles Programm zur Verfügung stehen. Auch Außenbereiche von Clubs beziehungsweise deren Gastronomie können einbezogen werden.

Diese Orte müssten mit der notwendigen Infrastruktur ausgestattet werden, um das finanzielle Risiko für Veranstalter*innen einzugrenzen und diese Orte attraktiv zu gestalten. Insbesondere bei Schallschutz und Müllvermeidung kann die VCC Know How einbringen.

Eine Zusammenstellung möglicher Orte findet sich am Ende dieses Dokumentes.

Für den Einsatz bei Open-Air Festivals und Konzerten eignen sich mobile Trennwandsysteme. Diese bestehen aus zweischaligen, aufblasbaren Elementen, die bei den typischen Dimensionen von Schallschutzbarrieren eine fast mit Betonwänden vergleichbare Wirkung erreichen (um ungefähr 20dB). Die Praxistauglichkeit wurde im Baustelleneinsatz getestet. Der Einsatz ist mobil und flexibel möglich. Diese Wände sollten von der Stadt angeschafft werden und - neben Open Air Model Spaces - auch für andere Veranstalter*innen im Open-Air-Bereich zur Verfügung stehen. Anbieter dieser Produkte sind zum Beispiel Buitink Technology  oder Sattler Ceno.

Die MA 48 Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark sollte ihre Services für Veranstalter*innen für einen begrenzten Zeitraum möglichst kostengünstig anbieten. Müllbehälter, Taschenaschenbecher und Weiteres könnten sowohl bei den Model Spaces/ Modular Spaces wie auch bei Veranstaltungsorten, die sich in den letzten Wochen etabliert haben, kostenfrei aufgestellt werden.

Auch im Winter werden Menschen feiern und sich dafür legale Möglichkeiten suchen, Grauzonen ausnutzen oder das schlimmstenfalls illegal und unkontrolliert tun. Um das Risiko von Infektionen möglichst gering zu halten, sollten Möglichkeiten geschaffen werden, auch im Winter Open-Airs zu veranstalten. Für diese Veranstaltungen sollte es möglich sein, bis 24:00 Uhr zu veranstalten. Mit Lärmbelästigung ist durch geschlossene Fenster in viel geringerem Maße zu rechnen. Gleichzeitig werden Arbeitsplätze gesichert und wirtschaftliche Einbußen ausgeglichen.

Zahlreiche Veranstaltungsorte mit Betriebsanlagengenehmigung befinden sich in städtischem Besitz. Oft verfügen sie - wie im Fall von Volkstheater, Theater an der Wien, Rinderhalle, Museumsquartier uvm. über mehrere Räume. Sie sollten für Veranstaltungen der Clubkultur geöffnet werden. Dies ist bspw. über Calls möglich oder Kooperationen mit der VCC.

Wiener Clubkultur allgemein

Die Stadt Wien sollte die Kosten für Tests beim gesamten Personal in der Musikspielstätte oder bei der Veranstaltung im Abstand von zwei Wochen übernehmen. So können Infektionsherde schneller eingedämmt werden.

Der Kultursommer stellt seine Contact-Tracing-Internetplattform für Veranstalter*innen zur Verfügung. Reservierungen und Ticketing sind davon nicht betroffen. Ein Einlass in die Musikspielstätte kann individuell von einer solchen Anmeldung via Contact Tracing abhängig gemacht werden.

Beschäftigte in diversen Sparten der Nachtgastronomie - wie etwa Tontechniker*innen, Lichttechniker*innen, Geschäftsführer*innen - sollten ihre Leerzeiten nutzen können, um sich über den WAFF weiterzubilden. Das Angebot sollte zudem auf Selbständige und atypisch Beschäftigte ausgeweitet werden.

Maskenpflicht in geschlossenen Räumen mag nicht angenehm sein, reduziert das Risiko einer Infektion durch Covid-19 aber deutlich. Eine Reduktion des Risikos kann weiters durch verpflichtende N95-Masken erreicht werden. Eine solche Maßnahme sollte allerdings durch Anschaffung von N95-Masken durch die Stadt gestützt werden, die Musikspielstätten kostenlos in begrenzter Menge für ihr Personal von dieser beziehen können.

Die Ausbildung zur/ m Covid-19-Beauftragte*n beim Roten Kreuz schlägt derzeit mit € 149 zu Buche. Dies ist insbesondere für Kulturvereine eine Belastung, wenn mehrere Covid-19-Beauftragte ausgebildet werden müssen. Derzeit gibt es dafür lediglich überschaubare Rabatte von IG Kultur Wien und IG Clubkultur. Die Kosten für Veranstalter*innen und Betreiber*innen sollen durch die Stadt Wien übernommen werden.

Die Vienna Club Commission kann entweder selbst an der Kuratierung des Kulturwinters mitwirken oder Personen empfehlen, die über Know How und Kontakte in diesem Bereich verfügen.

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