Yes We’re Open

Am besten arbeitet das Pilotprojekt, wenn man nichts von ihm hört. Bei städtischen Freiräumen, Cluböffnungen oder der Clubkulturförderung ist neben Sachkenntnis auch Feingefühl gefragt.

Das Pilotprojekt kann jonglieren! In den letzten Wochen standen drei große Themen gleichzeitig oben auf der Agenda. Cluböffnungen, öffentlicher Raum und 3-Millionen Euro Clubkulturförderung der Stadt Wien.

They work hard for the money

Die Stadt Wien gibt ihren Clubs ordentlich Geld, um sie zu unterstützen. Drei Millionen Euro ist die Clubkulturförderung schwer. Damit sie auch wirklich in der Szene ankommt, hat das Team des Pilotprojekts mehr als 50 Betreiber*innen persönlich angeschrieben. Das passierte meistens über Mail, manchmal via SMS, Whatsapp oder mit direkten Anrufen. Fast alle haben geantwortet. Dazu kamen Reminder via Newsletter und VCC Radar. 

Bisher hat das Pilotprojekt - allen voran Laurent Koepp - alle Betreiber*innen erfolgreich beraten, die sich seit November 2020 dazu gemeldet haben. Das heißt alle Betreiber*innen, die bezugsberechtigt waren und eine persönliche Beratung bekommen haben, wurden auch tatsächlich gefördert.

Für viele sind Förderungen Neuland. Alleine das Fördercockpit der Wirtschaftsagentur Wien vor sich zu sehen und gemeinsam durch verschiedene Punkte zu navigieren, hat vielen geholfen. Andere wussten nicht recht, welche Kosten gefördert werden können, welche nicht. 

Nun ist Endspurt. Die vorerst letzte Deadline ist Ende Juni.

Brenn- und Partyzonen

Karlsplatz ist nicht ideal. Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr lud deshalb zu einem runden Tisch. Das Pilotprojekt Vienna Club Commission hatte keinen Hotfix parat, um damit in kürzester Zeit mehr Raum für Jugendliche frei zu machen. Denn dafür ist die Situation einfach viel zu komplex. Auch Raves als politische Demonstrationen anzumelden, mag zwar immer wieder passieren, gleichzeitig höhlt das allerdings dieses demokratische Instrument aus. Deshalb kam diese Option nicht in Frage. Auf der anderen Seite wurde ein Konzept wie Clubs unter Covid-19-Bedingungen testweise öffnen können, bereits im März an einzelne Stellen in der Stadt übermittelt.

Zusätzlich hat das Pilotprojekt seit März an einem Konzept für Free Spaces erarbeitet, also Orten, an denen einfach und nicht-kommerziell veranstaltet werden kann. In Berlin wurden beispielsweise vor einigen Jahren Model Spaces geschaffen. Wohl deutlich besser angenommen wurde die Draußenstadt, also eine Reihe von Locations, an denen relativ leicht veranstaltet werden kann. Auch in Zürich, Bremen und Halle gibt es zu dem Thema interessante Konzepte. Dafür ist wohl eine Adaptierung des rechtlichen Rahmens notwendig.

2021 wird also leider nichts mehr aus Free Spaces und aus niederschwelligen Partyzonen im öffentlichen Raum. 2022 hoffentlich. Denn auch ohne Covid-19 steigt der Druck auf den öffentlichen Raum. Und so wie viele Kulturschaffende braucht auch Clubkultur draußen Raum. Seit Kurzem wurde dazu sogar eine Petition bei der Stadt Wien eingereicht, die bereits unterstützt werden kann. 

Yes we’re open

Dürfen sie? Wie dürfen sie? Wie dürfen sie wann? Diese Diskussion ist noch nicht vorüber. Die Bundesregierung will einen Sommer wie damals möglich machen. Die Stadt Wien plant mit einem Sommer wie heute. Währenddessen ist die Szene vorsichtig optimistisch, gleichzeitig braucht sie vor allem Planungssicherheit. Sie muss in das Frühjahr hinein planen, sie braucht Personal, Programm, Inventar und aller Voraussicht nach auch wieder Präventionskonzepte im Herbst. Öffnungen sind gut. Schlaue Öffnungen sind besser. Wie diese aussehen können, darüber befindet sich das Pilotprojekt im Austausch mit der Stadt. Auch von Seiten der Bundesregierung wurde dieser zugesichert.

The rent is too damn high

Für viele Wiener Clubs konnten Mietreduktionen erreicht werden. So soll es laufen. Wie aber kam es dazu? Durch Covid-19 war lange nicht klar, wie mit ausständigen Mieten am besten umzugehen wäre. Clubs sollten wie Kultureinrichtungen behandelt werden, dafür sprechen nach Ansicht der Pilotprojekts wie auch der Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer sehr viele, sehr gute Gründe. Als solche genießen sie in Deutschland seit kürzlich einen gewissen Schutz. 

In Österreich gab es allerdings eine rechtliche Schutzmaßnahme für Mieter*innen. Im ABGB sind unter den Paragraphen 1104 und 1105 die Mietzinszahlungen in Zeiten von höheren Zufällen (Überschwemmungen, Kriege, Pandemien usw.) geregelt. Trotz gültiger Rechtslage kamen diese Paragraphen nicht zur Anwendung und viele Clubs mussten weiterhin volle Miete zahlen. Das brachte manche Betreiber*innen in finanzielle Schwierigkeiten. Das Pilotprojekt konnte erfolgreich zwischen den Parteien vermitteln. Grundsätzlich funktioniert das besser, wenn man sich nicht via Medien oder Postings in sozialen Medien diverse Forderungen ausrichtet. Die Lage wurde sachlich den Wiener Linien wie auch dem Stadtratbüro Hanke geschildert. Offene Briefe waren nicht nötig. 

Und so kam es, dass vielen Clubs ein Teil ihrer Mieten erlassen wurde. Auch hier gilt, bitte gerne bei uns melden unter info@viennaclubcommission.at.

Service is king

Im Herbst wird es den zweiten Open-Air-Workshop geben. Sofern möglich persönlich. Davor schon wurde der erste Open-Air-Workshop gut angenommen. Die Nachfrage wird wohl deutlich steigen, wenn Open Airs wieder möglich sind. Immerhin gibt es durch das neue Veranstaltungsgesetz einige Erleichterungen. Auch dazu kann das Pilotprojekt mit wenigen Wochen Vorlauf jederzeit neue Workshops abhalten.

Außerdem hat das Pilotprojekt in den vergangenen 18 Monaten viel Know How erarbeitet, das es vorher nicht gab oder nicht gebündelt wurde. Jetzt muss dieses Know How dorthin gebracht werden, wo es gebraucht wird, zu den Veranstalter*innen und Betreiber*innen, aber auch zu allen Interessierten etwa in Politik und Verwaltung. Eine Club Commission kann das leisten als Servicestelle leisten.

Das Know How wird über Social Media zur Szene gebracht, aber auch über Workshops, den Newsletter oder Telegram. Instagram und Facebook taugen, so unsere Überzeugung, auch für relativ komplexe Inhalte, wenn man sie schlau aufbereitet. Wie sollte man sonst auch wissen, wie man fair bezahlt, warum die Projektsprechtage in den MBAs gut sind oder welche Förderungen auch für Clubkultur taugen.

Im VCC Blog berichtet die Vienna Club Commission wöchentlich über ihre Arbeit, die damit nachvollziehbarer werden soll. Das Pilotprojekt wird durch mica - music austria koordiniert und durch die Stadt Wien Kultur finanziert.

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